Kaum ein anderes Satzzeichen wird so oft mit negativen Adjektiven betitelt wie das Semikolon. Kurt Vonnegut nannte den Strichpunkt einen „transvestitischen Hermaphroditen“. Ein doppel-geschlechtliches Individuum, kurz gesagt ein Zwitter. Bei diesen Bezeichnungen kann ich nachvollziehen, warum es kaum mehr verwendet wird.

Der Grund für diesen Blog war eine Bemerkung, dass dieses Satzzeichen nun wirklich nicht mehr „en Vogue“ ist. Zu dieser Bemerkung sei gesagt, dass ich die Satzzeichen nicht nach der Mode, sondern nach den grammatikalischen Regeln verwende.

In die Grammatik wurde das Semikolon 1629 vom Gelehrten Wolfgang Ratke aufgenommen.

Aus dem lateinisch-griechischen übersetzt heisst Semikolon: Halber Doppelpunkt. Schon mit einem „Semi“ im Namen wird es schwierig für eine volle Daseinsberechtigung.

Im Duden lautet die Erklärung für den Strichpunkt:

Das Semikolon, auch Strichpunkt genannt, nimmt zwischen Komma und Punkt eine Mittelstellung ein: Trennt ein Komma zu schwach, ein Punkt aber zu stark, kann ein Semikolon gesetzt werden. Da sich nicht eindeutig festlegen lässt, wann dies der Fall ist, liegt die Setzung eines Semikolons weitgehend im Ermessen des Schreibenden.

Kaum etwas spricht gegen die Verwendung des Semikolons und trotzdem wird es nur noch selten verwendet. Wer möchte schon seine Texte als „altmodisch“ erscheinen lassen? Oder haben Texte mit Strichpunkten mehr Stil, weil dieses Satzzeichen seit über 390 Jahren zur Grammatik zählt, und kaum einer kennt es noch? Fakt ist, dass das Semikolon weder aus dem Duden, noch aus den Grammatikbüchern verbannt wurde und weiterhin berechtigt eingesetzt werden darf.

Das Semikolon hat aber durchaus seine sympathischen Seiten. Schon vor längerer Zeit wurde es fast unbemerkt in den Kurztexten modernisiert " 😉 " .

Das Semikolon – vom ungeliebten Satzzeichen ;-(  hin zum Emoticon ;-).

1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Matthias am 25. Mai 2020 um 16:19

    Lieber ein Semikolon als ein Genderstern; oder ist das doppelt altmodisch?